Hier kommt etwas über Glas

Das steht im Bertelsmann-Lexikon über Glas:

Glas
anorganischer Werkstoff, der erschmolzen wird und nach dem Abkühlen ohne zu kristallisieren erstarrt. Es ist ein meist durchsichtiges, sprödes Material von geringer elektrischer Leitfähigkeit, geringer Wärmeleitfähigkeit und guter Formbarkeit bei hoher Temperatur. Glas hat ein breites Schmelzintervall, also keinen scharf definierten Schmelzpunkt wie ein Kristall. Glas besteht chemisch aus Siliciumdioxid (SiO2) als Hauptbestandteil, Calciumoxid (CaO), Natriumoxid (Na2O) u. a.; Spezialgläser enthalten daneben Bortrioxid (B2O3), Aluminiumoxid (Al2O3), Bariumoxid (BaO), Kaliumoxid (K2O), Bleioxid (PbO) u. a., zusätzlich noch färbende Komponenten.
Bei gleicher chemischer Zusammensetzung unterscheiden sich Kieselglas und  Quarz durch die räumliche Anordnung der Grundbausteine. Im SiO2 ist die kleinste Struktureinheit der SiO44–-Tetraeder, bei dem um ein Si4 +  -Ion in der Mitte vier O2–-Ionen in den Eckpunkten eines Tetraeders angeordnet sind. Beim Quarzkristall sind diese Tetraeder regelmäßig in gesetzmäßiger Weise angeordnet. Im Kieselglas dagegen liegt ein unregelmäßiges Netzwerk von über die Ecken verknüpften Tetraedern vor. Aus diesem lockeren Aufbau resultiert die geringere Dichte des Glases. Die Einführung von Alkalien und Erdalkalien hat eine wesentliche Änderung der Glasstruktur zur Folge. Im reinen Kieselglas sind alle O2–-Ionen an zwei Si4 + -Ionen gebunden. Der Einbau von sogenannten Netzwerkwandlern sprengt das Netzwerk auf. Es entstehen benachbarte Si4 + -Ionen, an denen sich jeweils nur ein einfach gebundenes O2–-Ion befindet, so daß hier keine direkte Verknüpfung der Tetraeder mehr vorliegt. Die Netzwerkwandlerionen liegen in den Hohlräumen des Netzwerkes.

Herstellung
Zur Glasherstellung werden die fein zerkleinerten und gut vermischten Rohstoffe (reiner Quarzsand, Soda oder Glaubersalz, Pottasche, Kalkstein, Marmor oder Kreide) in Schmelzwannen oder Glashäfen (Glasschmelzöfen) geschmolzen, wobei die Schmelze durch Zusätze (Arsentrioxid [As2O3], Salpeter u. a.) geläutert und entfärbt wird.
Die Glasschmelze wird durch Blasen mit dem Mund, Pressen, Ziehen und Schleudern von Hand oder maschinell verarbeitet (Glasmacherei).

Glassorten
Fensterglas besteht aus Siliciumdioxid, Natrium- und Calciumoxid. Kron-, Kristall- (Blei-) und Spiegelglas enthalten Kalium anstelle von Natrium und sind schwerer schmelzbar. Bleikristall- und Flintglas enthalten Bleioxid anstelle von Calciumoxid und wirken stark lichtbrechend. Bei teilweisem Ersatz des Alkalioxids durch Bor- und Aluminiumoxid erhält man chemisch und thermisch widerstandsfähige Gläser (Jenaer Glas), die sich auch für Kochzwecke im Haushalt eignen. Gefärbte Gläser werden durch Zusatz von Metalloxiden, getrübte Gläser durch Zusatz von Calciumphosphat, Kryolith und Flußspat gewonnen. Quarzglas entsteht durch Schmelzen von reinem Quarz.  Sicherheitsglas.

Geschichtliches
Die Kunst der Glasherstellung war schon den alten Ägyptern um 1500 v. Chr. bekannt. Sie ging dann an die Phönizier über und gelangte darauf nach Europa. Im 13. Jahrhundert n. Chr. stand sie in Venedig in hoher Blüte, wurde aber wegen der Feuersgefahr nach der nahen Insel  Murano verlegt. Glas wurde lange Zeit ausschließlich zu Schmuckzwecken und für Gefäße verwendet. Erst gegen Ende des Mittelalters ging man zur Verglasung der Fenster von Wohnhäusern über. Der Schwerpunkt der deutschen Glasindustrie lag früher in Thüringen, Schlesien und Sachsen, doch haben sich nach dem 2. Weltkrieg namhafte Betriebe auch in Westdeutschland angesiedelt.

Glasschmelzöfen
Öfen zur Glasherstellung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Hafenöfen eingeführt, die heute fast nur noch beim Herstellen von Sondergläsern (optischem und Gußglas) verwendet werden. Das Gemenge wird hierbei nach einem gründlichen Mischvorgang in Häfen von 600–1200 kg Inhalt gefüllt. 2–20 dieser Häfen werden in einen beheizten Ofenraum gestellt. Das häufige Auswechseln der Häfen, die damit verbundenen Arbeitsunterbrechungen, die geringe Schmelzleistung und der hohe Preis der Häfen führte zum Bau von Wannenöfen, die ein kontinuierliches Arbeiten erlauben. Die Länge großer Wannenöfen beträgt bis zu 30 m, die Breite 5–8 m und die Tiefe der Schmelzwanne 1,2–1,5 m (Inhalt bis zu 700 t). Das Gemenge wird kontinuierlich zugeführt. Beheizt wird ein Wannenofen durch seitlich angebrachte Brenner. Die Glasschmelze wird auf 1300–1600°C erhitzt; eine Glasschmelzung dauert 12–30 Stunden. Glashafenöfen wie Wannenöfen werden aus hochfeuerfesten und chemisch resistenten Spezialsteinen (Silicat- und Zirkonsilicatsteinen) hergestellt.
 



 
 

1996 auf der INTERPACK

Heye-Glas

International erfolgreich

Die Heye-Glas hat auf der Interpack ihre neue kunstoffbeschichtete 1-l-Glasflasche für Softdrinks vorgestellt.

Ulrich Buschmeier, persönlich haftender geschäftsführender Gesellschafter, zählte vor der Presse als Pluspunkte der neuen Einweg-HCP- (Heye Composite Packaging-)Flasche neben dem niedrigen Gewicht – sie wiegt nur noch 295g, anstatt bisher 400g – erhöhte Festigkeit, Schutz der Glasoberfläche, volle Recyclingfähigkeit und farbliche Dekor-Möglichkeiten auf.
„Wir wollen nicht den PET-Leuten den Markt überlassen“, sagte Buschmeier. Laut Hans-Dieter Hillen, ebenfalls persönlich haftender geschäftsführender Gesellschafter des im niedersächsischen Obernkirchen domizilierenden Familienunternehmens, habe man bereits Tests in Zusammenarbeit mit der Ernst Heemann Mineralbrunnen Beiseförth abgeschlossen, so daß mit dem Bau einer Großanlage in Obernkirchen für 400 bis 450 Flaschen/min begonnen werden könne. In den letzten Jahren hat sich die Heye-Glas-Gruppe zum weltweit operierenden Anbieter von Behälterglas für alle Füllungsbereiche mit gutem Erfolg hochgearbeitet.
In Deutschland wird noch in Germersheim produziert;
Beteiligungen an Glasfabriken bestehen in Portugal und in Polen, ferner internationale Beteiligungen im Maschinen- und Formenbau.

Der Gruppenumsatz ging 1995 gegenüber Vorjahr leicht auf 490 Mio DM (2226 Mitarbeiter) zurück. Investiert wurden seit 1993 bis einschließlich 1996 120 Mio DM, wobei die Schmelzwanne mit den dazugehörigen Maschinen mit jeweils 20 Stationen – zur Zeit die weltweit größte Anlage dieser Art – der größte Brocken war.



Materialforschung:
   Bruchsicheres Glas soll Material und Energie einsparen
   (Meldung vom 2.12.1997)

   Bayerischer Glasproduzent präsentierte eine neue Polymerbeschichtung

Eine neue Technologie soll dünnwandiges Glas 40 Prozent bruchsicherer machen.
Die Firma Wiegand-Glas in Bayern stellte das Glas-Polymer-Verfahren jetzt der Öffentlichkeit vor. Damit behandelte Flaschen können mit rund einem Drittel weniger Material als herkömmliche gefertigt werden und sind gut zu recyceln. Das Verfahren wurde zusammen mit Glasproduzenten aus den USA, Japan und Australien entwickelt. Alexander Treuner,  Betreuer der bislang einzigen Beschichtungsanlage,  beschreibt das Prinzip: "Die Flaschen werden in ein Polymerbad eingetaucht. Danach härtet der Lack auf der Außenseite der Flaschen unter ultraviolettem Licht aus."
Das Lebensmittel - in diesem Fall Bier - kommt nur mit dem Glas in Kontakt. "So behandelte Flaschen sind problemlos wiederzuverwerten," betont Geschäftsleiter Oliver Wiegand, "denn die Schicht ist nur 0,005 Millimeter stark." Beim Einschmelzen des Bruchglases verdampft das Polymer, die entstehenden Gase werden über eine Rauchgasreinigungsanlage abgesaugt. Unabhängige Wissenschaftler wie Peter Strohriegel, Experte für Polymere an der Uni Bayreuth, bestätigten die Angaben. Treuner nennt weitere Vorteile der Flaschen: "Das geringere Gewicht führt zu weniger Gebühren im Dualen System, der Verbraucher muß nicht so schwer tragen, und den Abfüllern wird die Logistik erleichtert." Die Kosten für die Beschichtung werden durch den geringen Material- und Energieverbrauch ausgeglichen. Der erste Auftrag von einer großen Brauerei liegt bereits vor. Doch bei Wiegand denkt man bereits an weitere Verbesserungen. Treuner: "Das Polymer soll in Zukunft eingefärbt werden. Außerdem wird eine Mehrwegbeschichtung entwickelt." Auch normalgewichtige Flaschen sollen beschichtet werden, um dem Verbraucher mehr Sicherheit bei Glasverpackungen zu bieten.

   [Quelle: [Heiner Gremer, Alexander Treuner, Oliver Wiegand, Peter Strohriegel]]


Donnerstag, 18. September 1997

Saint-Gobain steigert Gewinn deutlich

Paris - Der französische Glashersteller Saint-Gobain hat im ersten Halbjahr deutlich mehr verdient als ein Jahr zuvor. Der ausschüttungsfähige Reingewinn sei um 63 Prozent auf 3,356 Milliarden Franc (998 Millionen DM) von 2,048 Milliarden FF im selben Vorjahreszeitraum gestiegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Paris mit. Das Betriebsergebnis sei auf 5,059 (4,277) Milliarden FF gewachsen. Der Umsatz sei auf 52,846 (40,003) Milliarden FF gestiegen.